Wir brauchen neue Klimabilder!

Klimabilder im Netz. Fotografische Abzüge von Suchergebnissen der Google-Bildersuche, sortiert durch die Mitarbeiter:innen des Forschungsprojekts „Networked Images of Climate Change. Foto: Birgit Schneider

Klimabilder im Netz. Fotografische Abzüge von Suchergebnissen der Google-Bildersuche, sortiert durch die Mitarbeiter:innen des Forschungsprojekts „Networked Images of Climate Change“. Foto: Birgit Schneider

Bebildern Medien das Klimathema realistisch? Und zeigen diese Bilder einen Weg aus der Krise? Die Kunst- und Medienwissenschaftlerin Birgit Schneider hat begründete Zweifel und drei Forderungen für neue Klimabilder.


Alles was wir über die Welt wissen, wissen wir aus den Massenmedien. Dieser oft zitierte Satz von Niklas Luhmann bewahrheitet sich auch für den Klimawandel. Die Katastrophe erscheint im Bild – in der Form von Diagrammen und Karten über Fotografien und Cartoons. Erste Darstellungen des Klimasystems reichen gar bis in die Antike, wissenschaftliche Karten auf der Basis von Messwerten werden seit Ende des 18. Jahrhunderts angefertigt. Und auch die Darstellungen von Wetterauswirkungen auf Natur und Menschen sind sehr alt, wie beispielsweise Holzschnitte von Flut- und Sturmkatastrophen.

Sieben Arten von Klimabildern

Heute denken wir bei Klimabildern in Deutschland normalerweise an Fotografien. Dies liegt an der journalistischen Berichterstattung, die dem Fotojournalismus, also dem fotografischen Dokument als Spur der Wirklichkeit, die Hauptrolle einräumt. Über den Klimawandel berichten, bedeutet hierbei, mittels Kamera die Spuren und Tatorte des Klimawandels festzuhalten. Fotografie dokumentiert, was an einem Ort geschieht und wie es dort aussieht – entweder im Hier und Jetzt (eine Springflut) oder langfristig (geschmolzene Gletscher). Sie bringt ins Bild, was ist, aber auch, was bald nicht mehr sein wird.

Die Ikonographie des Klimawandels in den Medien besteht grob aus sieben Gruppen (Abb. 1). Unter den Bildern von Klimawandelfolgen und -vorboten (1) dominieren Motive wie vertrocknete Böden, Überschwemmungen und Sturmschäden, Waldbrände, schmelzende Gletscher und Pole. Die Ursachenbilder (2) zeigen in der Regel Schlote von Braunkohlekraftwerken oder Fabriken, stark befahrene Autobahnen, Rinderherden und Kreuzfahrtschiffe. Wenn auf den Bildern zu den Folgen des Klimawandels Menschen abgebildet sind, dann oftmals „Opfer“, jedoch vor allem Menschen aus dem globalen Süden (3). Porträts von Akteur:innen (4) zeigen meist Politiker:innen auf Konferenzen. Erst 2018 kamen Bilder von Klimaaktivist:innen und Protesten hinzu (5). Als symbolische und metaphorische Bilder (6) dienen Eisbären oder brennende Weltkugeln. Lösungen werden in Energiewendelandschaften oder anderen technischen Lösungen verbildlicht (7).


Abb. 1: Typologie der häufigsten Klimabilder in journalistischen Medien. Grafik: Birgit Schneider, 2021.

Insgesamt sind Fotografien vorherrschend, obwohl es noch unzählige andere Bildformen gibt. Obgleich die Bildwelten des Klimawandels vielfältig sind, in journalistischen Medien wie auf Internetplattformen erscheinen sie recht standardisiert, oft wie eine Wiederholung des Immergleichen, nur mit anderen Schauplätzen. Das Thema der Klimakatastrophe im Bild ist dringlicher denn je, gleichzeitig hat es sich visuell abgenutzt. Dem mit neuen Bildfindungen entgegenzuwirken, ist äußerst schwierig.

Wetter und Klima als sinnliche Erfahrung

„Climate is what you expect, weather is what you get”, heißt es zur Unterscheidung von Wetter und Klima. Das Klima ist die Statistik des Wetters. Es setzt sich aus Zahlenreihen zusammen, die über Jahrzehnte und weltweit täglich erhoben werden. Waren es im 19. Jahrhundert noch wenige hundert Messtationen, an denen Messdaten gesammelt wurden, sind es heute mehrere Tausend. Auch wenn es stimmt, dass niemand den statistischen Wert der Jahresdurchschnittstemperatur – etwa die deutsche Durchschnittstemperatur von 10,4°Celsius im Jahr 2020 – erleben kann, lassen sich die Auswirkungen des Klimawandels inzwischen auch in Deutschland am eigenen Leib spüren und mit den Sinnen direkt erfahren.

Nämlich als Dürre auf den Feldern, anhand der vertrockneten Baumkronen der Wälder, in Form von Waldbränden und als Hitze und Trockenheit in den Städten. Ebenso in Form ausgetrockneter Flüsse und Seen oder ihren Algenblüten, als Küstenerosionen, dem Abschmelzen der fünf letzten Gletscher um die Zugspitze, sowie anhand von Extremwetterereignissen und plötzlichen Fluten. Dies ist das Landschaftsbild des deutschen Klimawandels, der allerorten mehr oder weniger deutlich zu Tage tritt. Doch auch die Länge der Jahreszeiten hat sich verändert, sodass der Klimawandel ebenso eine zeitliche Erfahrung und wir selbst Klimaarchive durch unsere Erinnerungen sind.

Diese sinnlichen und zeitlichen Erfahrungen vermischen sich vielfältig mit den Karten und Diagrammen der Klimaforschung sowie den Bildern aus den Medien. Wer Bilder sucht, um über den Klimawandel zu berichten, muss das Verhältnis von Wetter und Klima – also die Erfahrung an einem Ort im Hier und Jetzt und langfristige Veränderungen – berücksichtigen. Bilder von Orten, an denen sich der Klimawandel entfaltet, stehen im kausalen Zusammenhang mit der globalen Erderwärmung. Wer lokale Wetterereignisse zeigt, sollte in Zeiten des Klimawandels lernen, auf den Zusammenhang mit globalen Ursachen hinzuweisen und diese benennen.

Foto: Number 10

Die Frames in den Köpfen von Klimajournalist:innen

Der Klimajournalismus ist voller Katastrophen- und Kostenrethorik, doch leer an Debatten über gesellschaftlichen Wandel. Das sagt der Forscher Michael Brüggemann – und benennt die Schwachstellen in den täglichen Berichten über neue Studien.

Die Widersprüchlichkeit von Katastrophenbildern

Allerdings zeigt die Forschung zur Klimawandelkommunikation in zahlreichen Studien, dass globale Bilder sowie Bilder, die ein unvorstellbares Ausmaß an Katastrophischem zeigen, für klimafreundliches Handeln mitunter kontraproduktiv sind. Sie können zwar an die Dringlichkeit appellieren, gleichzeitig führen sie jedoch zu Gefühlen wie Lähmung, Ohnmacht, Angst oder Wut. Zu groß ist ihre Rahmung, zu schockierend ihr Inhalt. Oft werden diese Bilder unkritisch „apokalyptisch“ genannt, obgleich die Erzählstruktur der biblischen Apokalypse selbst höchst problematisch ist. Denn diese Schrift – geschrieben in Zeiten, in denen es darum ging, die frühchristlichen Gemeinden gegen die Römer einzuschwören und in ihrem Glauben zu festigen – stellt Gut und Böse, Verdammnis und Erlösung, Schuld und Sühne plakativ gegeneinander und nutzt diese Dualität für einen Taumel der Gefühle, der Folgsamkeit bezweckt.

Bilder des Klimawandels führen zu großer Hoffnungslosigkeit, da es kein Außerhalb der Bilder gibt.

Birgit Schneider

Die Gefühle, die Katastrophenbilder auslösen, bedienen die Sensationslust – jedoch nur, wenn sie die Betrachtenden nicht direkt betreffen. Im Falle des Klimawandels jedoch führen sie andererseits zu großer Hoffnungslosigkeit, da es kein Außerhalb der Bilder gibt. Denn auf kurz oder lang betreffen der Klimawandel und damit seine Bilder uns alle. Anders als bei Caspar David Friedrichs Bild „Das Eismeer“, bei dem die Betrachter:innen im Anblick des zwischen riesigen Eisschollen zerschollenen Segelschiffs als Davongekommene erschauern können, gibt es in der gegenwärtigen Realität des Klimawandels keinen Punkt der Sicherheit, der uns erhabene Naturschauspiele wie extremes Wetter ohne Sorge erleben lässt.

Oftmals knüpfen deshalb insbesondere die bereits genannten Landschaftsfotografien in negativem Sinn an alte Bildformen der Erhabenheit an – sie geben einen Blick auf die Größe der Natur und ihre Unfassbarkeit frei, die wir aus sicherem Abstand bestaunen können. Dieser Bildmodus ist in Anbetracht des Klimawandels insofern problematisch, da es keinen Ort der Sicherheit gibt, aus dem diese Bilder betrachtet werden könnten. Stattdessen zeigen die Bilder, wie wir unsere eigenen Lebensgrundlagen in schnellem Tempo verändern und zerstören.

Gemälde "Das Eismeer" von Caspar David Friedrich.
Gemälde „Das Eismeer“ von Caspar David Friedrich.
Die Realität des Klimawandels ist weniger erhaben.
Die Realität des Klimawandels ist weniger ma­jes­tä­tisch.

Der unheimliche Stich von Klimabildern

Roland Barthes erkannte die Wirkung von Fotografien im „punctum“, einem „Stich“ oder „Schnitt“, der die Betrachtenden „verwundet“. Der Stich, den erhabene Klimabilder auslösen, ist die fundamentale Erkenntnis von Vergänglichkeit, die mit dem Klimawandel die Natur in einem bislang nicht gekannten Ausmaß und Tempo erfasst hat und die gleichzeitig wegen der menschlichen Ursachen nicht mehr als „natürlich“ eingeordnet werden kann. Der Effekt dieses Stichs ist höchst befremdend, unheimlich und verängstigend – oder die Gefühle versagen komplett und wenden sich in Horror.1 Doch auch die rationalen Argumentbilder der Wissenschaften können Gefühle wie Angst und Hoffnungslosigkeit auslösen.

Die grandiosen Bilder ruinierter Landschaften – verblichene Korallenriffe, schmelzende Gletscher, brennende Wälder und Bergrutsche – sind deshalb äußerst widersprüchlich und für die Kommunikation für Klimaschutz schwierig. Sie präsentieren den Klimawandel als ein Problem, das mich nur als ästhetische Erfahrung betrifft und überwältigt. Anstelle die Menschen mit ins Bild zu setzten – sei es als Erleidende, Erlebende, Entscheidende oder Verursachende – distanzieren sie die Menschen. Derartige Katastrophenbilder mögen zwar in der journalistischen Logik Aufmerksamkeiten generieren und mitunter auch in Form von Wut aktivieren, im politischen Sinne von Bürgerschaft und politischen Handlungen sind sie aber nicht genug.

Foto: Clement Dorval / Ville de Paris

Journalismus gegen die Klimaangst

Das Klimathema macht müde oder gar ängstlich. Die Neurowissenschaftlerin und Medienpsychologin Maren Urner kennt ein Gegenmittel und kritisiert den Versuch vermeintlicher journalistischer Objektivität als Feigenblatt.

Klimagerechtigkeit im Bild

Viele Klimabilder zeigen Landschaften. Vertrocknete Böden, überflutete Gebiete oder lodernde Waldbrände dokumentieren einen panoramatischen Blick auf die Natur und ihre elementaren Kräfte, oft auch als Bilder aus der Vogelperspektive. Auch in den wissenschaftlichen Bildern tauchen menschliche Handlungen nur abstrakt oder als Spuren auf, wenn sie menschengemachte CO2-Emissionen sowie die davon abhängige Entwicklung der Temperaturen seit dem 19. Jahrhundert zeigen. Die wissenschaftlichen Bilder nehmen hierbei oftmals eine globale Perspektive ein.

Deshalb fordert etwa der britische Forschungsverbund Climate Visuals, dass journalistische Berichte nicht mehr erhabene Klimawandellandschaften oder allein globale, abstrakte Karten und Diagramme zeigen, sondern viel öfters auch Menschen in Situationen, die zeigen, was die Erderwärmung mit ihrem Leben konkret, lokal und heute macht. Climate Visuals berät mit diesen Einsichten auch die britische Zeitung Guardian dabei, wie ein anderer Bildjournalismus des Klimawandels aussehen könnte.

Sie empfehlen Menschen und lokale Auswirkungen zu zeigen, diese in neuartigen Geschichten darzustellen und die Bilder immer mit den globalen Ursachen des Klimawandels zu verknüpfen. Dies knüpft an die Verbindung von Klimawandel und Wetter an. Es würde z.B. bedeuten, die Bilder der großen Flut in Mitteleuropa im Sommer 2021 immer mit den lokalen wie globalen Ursachen zu verbinden, also etwa den versiegelten Flächen im Flutgebiet und dem inzwischen veränderten Muster des Jetstreams aufgrund der globalen Erwärmung.

Die Verwundbarkeit von Menschen wird verschieden dargestellt, je nachdem, ob sie im Norden oder im Süden dieser Erde leben.

Birgit Schneider

Wenn Menschen im Verhältnis zum Klimawandel gezeigt werden, gilt es jedoch auch die Geographie zu beachten, innerhalb der Leid unterschiedlich verbildlicht wird. Denn die Verwundbarkeit von Menschen wird verschieden dargestellt, je nachdem, ob sie im Norden oder im Süden dieser Erde leben. Hier ist eine doppelte Moral und unreflektierte Politik der Blicke abzulesen. Wenn beispielsweise in der deutschen Berichterstattung aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Menschen nach der Flut im Sommer 2021 gezeigt wurden, dann standen Betroffene verzweifelt vor ihrem verlorenen Hab und Gut, schleppten Helfer:innen Eimer voller Schutt oder Politiker:innen versprachen in Reden vor Ort schnelle Hilfe.

Auf Bildern von Flutkatastrophen beispielsweise aus Bangladesch wiederum, werden die Menschen viel stärker als Opfer dargestellt. Sie zeigen dann etwa, wie Familien bis zur Hüfte im Wasser stehen. Diese „anderen“ erscheinen wehrlos und passiv. Akteure im Norden, Opfer im Süden: Diese Ikonografie von Katastrophen und Ungleichheit in der Darstellung gilt es zu reflektieren, insbesondere in Zeiten, in denen sich der Klimawandel auch spürbar in den gemäßigten Breiten entfaltet.

Bilder der Flut in Westdeutschland 2021 zeigen die Menschen eher beim Retten und Aufräumen. Foto: Raimond Spekking
Bilder der Flut in Westdeutschland 2021 zeigen die Menschen eher beim Retten und Aufräumen. Foto: Raimond Spekking
Bilder der Flut in Bangladesch 2021 zeigen die Bevölkerung eher als hilflose Opfer. Foto: UN
Bilder der Flut in Bangladesch 2021 zeigen die Bevölkerung eher als hilflose Opfer. Foto: UN

Unsere Schwierigkeiten mit positiven Leitbildern

Klimabilder sind sehr heterogen. Sie erfüllen je nach Kontext ganz unterschiedliche Aufgaben und Ansprüche. Wissenschaftliche Bilder fungieren als Aufklärung für die Risikobewertung und als Argumente für politische Veränderungen. Fotografien erfüllen eher die Aufgabe von Gefühls- und Dokumentbildern. Sie zeigen, ohne das Gezeigte zu erklären. Sie dokumentieren vor allem plötzliche Veränderungen und Brüche in der Normalität.

Aufgrund der schockierenden und dystopischen Wirkung vieler Klimabilder werden inzwischen von fast allen Akteuren positive Leitbildern verlangt, die nicht lähmen, sondern aktivieren. Das wären etwa Bilder einer Gesellschaft , die sich mit großer Leidenschaft auf den Weg der Transformation in eine erdölfreie Gesellschaft gemacht hat. Doch wir haben Schwierigkeiten, derartige Bilder zu erzeugen. Und das zeigt, wie sehr unser Denken von den Prämissen unserer Vergangenheit und den Grundfesten unserer Welt begrenzt ist.

Foto: Matthias Sdun

Visual Storytelling in Zeiten der Klimakrise

Matthias Sdun ist Filmemacher und Videojournalist. Hier erklärt er, was die filmische Darstellung des Klimawandels in den letzten Jahren vorangetrieben hat – und wie professionelle Medien dabei auch von TikTok und Co. profitieren.

In der Erzählung der Moderne, von technischem Fortschritt und wirtschaftlichem Wachstum, die uns Schritt für Schritt in eine bessere Welt führen sollen, fehlt der Platz für die glaubhafte Erzählung einer Transformation zur erdölfreien Gesellschaft. Stattdessen erzählen wir uns von neuen, rettenden Technologien, die wir im Alltag möglichst kaum bemerken sollen. Zu normalisiert ist unsere Welt, zu gewöhnt sind wir an die Aussicht auf individuelle Freiheit im Konsum.

Drei Forderungen für neue Klimabilder

Braucht es nun mehr Bilder, weniger Bilder oder ganz andere? Ich glaube, es braucht:

  1. Mehr Bilder. Denn das eine Bild, die eine Vision für alle, kann es in einer demokratischen Gesellschaft nicht geben. Insofern plädiere ich für vielfältige und auch widersprüchliche Perspektiven, die nebeneinanderstehen, also sehr unterschiedliche Bilder, insbesondere aber spekulative Bilder über die Zukunft. Diese können weit über die Zukunftsbilder der Wissenschaften hinausgehen und spekulativ zeigen, was das existierende Wissen für die Gesellschaften bedeuten kann. Wie beispielsweise sieht die ökologisch transformierte Gesellschaft aus?
  1. Weniger Bilder. Wir müssen Bilder, die zu leeren Klischees erstarrt sind, wieder in Bewegung versetzen. Zudem werden die stereotypen Vignetten gleichmachender Großerzählungen des Klimawandels den Umständen an dessen vielen Schauplätzen nicht gerecht. Wir müssen einer Erstarrung der bereits detailliert entwickelten globalen und objektivierten Top-Down-Perspektiven zugunsten einer Symmetrie mit lokalen Bildern entgegenwirken.
  1. Aber auch andere Bilder. Nämlich Bilder von anderen Akteuren. Ich will aber auch mehr Bilder von den Ursachen des Klimawandels sehen als von seinen Folgen. Und ich plädiere für mehr Bilder, die uns die Lücke zwischen unserem Wissen und Handeln vor Augen führen. Wir holzen Wälder ab und versiegeln alleine in Deutschland täglich mehrere Hektar Land. Während Moore brennen oder unwiederbringlich vertrocknen, bauen wir Autobahnen und Flughäfen, fahren immer größere Autos und verreisen in ferne Länder, ein Pfad, den auch die Pandemie nicht verändert hat. Das passt alles nicht zusammen. Mit Klimabildern, die uns die Dissonanzen unserer Gegenwart zeigen, können wir diesen Widerspruch sichtbar machen.

Bilder alleine werden die Klimakrise nicht lösen. Sie sind aber ein zentraler Beitrag für eine Gesellschaft, die begriffen hat, dass es bei dem Problem nicht um die individuellen Entscheidungen von Konsument:innen geht, sondern um Klimabürgerschaft und Politik.

1 So Lorraine Daston in ihrem Vortrag The Passions of The Unnatural auf der Tagung The Artwork between Technology and Nature im Statens Museum for Kunst, Kopenhagen 2010. Vgl. Dies.: Wunder, Beweise und Tatsachen. Zur Geschichte der Rationalität, Frankfurt a. M. 2001.


Foto: Iris Janke

Birgit Schneider

… ist Professorin für Wissenskulturen und mediale Umgebungen an der Universität Potsdam. Zu Klimabildern forscht sie seit mehr als 10 Jahren. In 2018 veröffentlichte sie Klimabilder. Eine Genealogie globaler Bildpolitiken von Klima und Klimawandel.


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